BIEDENKOPFER TUCH

Der Stand der historischen Urkunden

Zu den Tuchmachern in Biedenkopf vor 1717 ist, wie immer in Biedenkopf, kaum etwas Sicheres bekannt, da bei dem großen Stadtbrand 1717 nahezu alle Unterlagen mit verbrannten. Vor einigen Jahren wurden einige Rechnungen aus der Zeit des 16. - 18. Jahrhunderts gefunden, die inzwischen wieder verschollen sind und leider nie komplett ausgewertet wurden.

Der gute Ruf des Biedenkopfer Tuches

Aus einigen dieser Rechnungen geht aber hervor, dass für Biedenkopfer Tuch hohe Preise gezahlt wurden, es also durchaus einen guten Ruf hatte. Das belegt auch die Tatsache, dass der hessische Landgraf Ludwig I. (1413 - 58) wiederholt in Biedenkopf grünes Tuch für sein Hofgesinde bezog und später für Militärzeuge (Karl Huth: Biedenkopf, S. 132).

Belege für Weberei ab dem 14. Jahrhundert

1366 ist ein Walter der Weber aus der unter gazzin (Untergasse) urkundlich erwähnt. (Blöcher: Das Hinterland, S. 73). 1430 existierte in Druckirshausen, heute eine Wüstung im Stadtgebiet, die erste Walkmühle.

Spezialbetriebe

Seit 1593 ist eine Tuchmacherzunft nachgewiesen. 1778 umfasste sie 152 Tuchmachermeister, darunter auch regelrechte Spezialbetriebe. 1780 wurden 1600 Ballen Tuch abgesetzt, der Gewinn betrug 16.000 Gulden.   

Text: Christoph Kaiser

Zeitleiste

zu Philipp von Hessen und der Reformation

1483

 

Geburt Martin Luthers in Eisleben

1491

 

Geburt Martin Bucers (Vorkämpfer der Ökumene)

1504

 

Geburt Philipp von Hessen (der Großmütige)

1515

 

Geburt Hermann von Wied

1517

 

Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg

1518

 

Übernahme der Landesherrschaft Hessens durch Philipp

1519ff.

 

3 Hauptwerke Luthers, u.a. „Freiheit des Christenmenschen“: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan; ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

1520

 

Luther verbrennt öffentlich die Bannbulle

1521 

 

Luther wird exkommuniziert und verweigert Luther vor dem Reichstag in Worms den Widerruf: „Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift oder einen einleuchtenden Vernunftgrund überzeugt werde – denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie häufig geirrt und sich selbst widersprochen haben -, so bleibe ich an die von mir angeführten Schriftworte gebunden. Und solange mein Gewissen gefangen ist von den Worten Gottes, kann und will ich nicht widerrufen, da gegen das Gewissen zu handeln weder sicher noch lauter ist. Gott helfe mir. Amen.“ Philipp der Großmütige ist als 17jähriger anwesend und zutiefst beeindruckt von Luther und seinen Thesen.

1522

 

Martin Bucer heiratet ehemalige Nonne Elisabeth Silbereisen

1523

 

Bucer wird exkommuniziert und sucht Zuflucht in Straßburg

1524

 

Philipp bekennt sich öffentlich zu den Lehren der Reformation; Skandalhochzeit Martin Luther mit Katharina von Bora 

1525

 

Bauernkrieg; Luther ergreift Partei gegen die Bauern, die sich bisher in ihrem Anliegen durch Luther bestärkt und ermuntert gefühlt hatten; auch Philipp von Hessen ist Gegner derer, die die Ordnung stören, wie Bauernhorden Thomas Münzers. Ja, kein einziger Bauer in Hessen erhebt sich gegen den Landgrafen Philipp, dessen Worte „Die Unterwürfigen schonen, die Stolzen bekriegen“ hier gilt. Landgraf und Volk fühlten sich zusammengehörig.

1526

 

Philipp von Hessen beruft die Synode in  Homberg (Efze) ein: Beschluss der Reformation in Hessen durch Laien und Theologen

1527

 

Philipp von Hessen säkularisiert Klöstern, die z.T. in Hospitale umgewandelt werden. Das Kloster Marburg wird die erste evangelische Universität gegen die Opposition von Klöstern und Adel.

1529

 

Philipp initiiert die Marburger Religionsgespräche

1531

 

Philipp gründet den Schmalkaldischer Bund; dessen Doppelspitze von Philipp und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen erweist sich als ungünstig, weil der Kurfürst willenlos ost

1534

 

Philipp verpfändet das ganze Amt Biedenkopf an die Wittgensteiner Grafen, um die großen militärischen Unternehmungen zur Verteidigung/Ausbreitung des Glaubens zu finanzieren

1535

 

Verlängerung Schmalkaldischer Bund

1536

 

Hermann von Wied ruft Synode ein zur Hebung des Lebenswandels der Geistlichen und Verbesserungen in der Glaubensverkündung; Plan der „sanften“ Reformation in Köln

1538

 

Philipp von Hessen ruft Bucer nach Hessen, um dort die Täuferbewegung einzudämmen

1539

 

Einführung der Konfirmation in Hessen auf Anraten Martin Bucers

1540

 

Nebenehe Philipps mit Margarete von der Saale; getraut durch ev. Pfarrer Dionysius Melander – Philipp gilt fortan als „Bigamist“ und ist angewiesen auf Gnade Karl V., weil die Nebenehe gegen Reichsgesetze verstößt

1541

 

Geheimer Regensburger Vertrag zwischen Philipp und Kaiser Karl V – Karl V billigt die Nebenehe. Dafür sagt Philipp zu, Frankreich, England und Kleve nicht in den Schmalkaldischen Bund mit aufzunehmen. Dies bedeutet eine erhebliche Schwächung der Reformation: Es macht die Eroberung von wichtigen Geldern durch den Kaiser erst möglich, und verhindert die Einführung der Reformation durch Erzbischof Hermann von Wied in Köln. Der Regensburger Vertrag bedeutet eine große Selbsttäuschung Philipps, der sich einbildet, den Kaiser zum Nutzen der evangelischen Sache einspannen zu können.

1542

 

Martin Bucer in Köln bei Hermann von Wied

1543

 

Philipp Melanchton in Köln bei Hermann von Wied

1545

 

Hermann von Wied auf Veranlassung Karl V von Papst Paul III. abgesetzt und exkommuniziert

1546

 

Der Schmalkaldischer Krieg beginnt nach Friedensschluss von Crépy, da Karl V nun nicht mehr durch seine Frankreich- und Türkenkriege in seiner Aktionsfreiheit eingeschränkt ist. Der Kaiser schließt ein Bündnis mit Papst Paul III. Moritz von Sachsen wird vermutlich durch die Versprechung der Kurwürde geködert, während die Kurfürstenwürde von Hermann von Wied aberkannt wird. Tod Martin Luthers

1547

 

Schlacht auf der Lochauer Heide bei Mühlberg: Gefangennahme Friedrich von Sachsen, wird durch den Verrat von Moritz von Sachsen gefangen genommen. Die Lutherstadt Wittenberg gerät unter kaiserlicher Besatzung. Philipp von Hessen unterwirft sich dem Kaiser auf der Moritzburg zu Halle, weil er sich und sein Land bedroht fühlt, und wird beim nachfolgenden Abendessen im Quartier des Herzogs zu Alba gefangen genommen. Hermann von Wied dankt offiziell ab, um den drohenden Volksaufstand zu seinen Gunsten und das damit verbundene Unheil zu verhindern

1547-52 

 

Haft Philipps

1548

 

Befreiungsversuch aus Mecheln durch Konrad/ Kurt  Breidenstein, später Rentmeister von Battenberg und Gießen. Er hielt sich mit seinem Bruder Georg als Tuchkaufmann in den Niederlanden auf und bereitete gemeinsam mit seinem Landsmann, dem Zeugmeister Rommel aus Kassel, die Flucht des Landgrafen vor. Der Plan wurde laut Überlieferung durch einen Diener des Fürsten verraten, der sich gegenüber einer anderen, nicht genannten Person in Mecheln „verquatscht“ hatte. Die Verschworenen wurden schwer bestraft, die eingeweihten Dienstboten sofort erstochen oder später gehängt. Kurt Breidenstein gelang es zu fliehen. Die Haft des Landgrafen wurde verschärft: Er durfte keine Briefe mehr absenden, er kam in einen Kerker von nur 3,5m Länge, die Fenster waren 8 Monate lang vernagelt. Philipp wäre in Hoffnung auf Freiheit zu großen Zugeständnissen bereit, doch Hessen weigert sich. Auch Bucer lehnt es ab und muss auf Druck des Kaisers Straßburg verlassen.

1551

 

Moritz von Sachsen schließt sich der Fürstenopposition gegen den Kaiser an

1552

 

Das Kriegsglück wendet sich gegen den Kaiser und die Fehde wird im Passauer Vertrag abgeschlossen, der volle Rechte für evangelischen Lande vorsieht. Philipp wird aus der Haft entlassen und kehrt bei Simmersbach nach Hessen zurück, wo ihm ein bewegter Empfang bereitet wird. Noch heute erinnert an diesem Ort die Philippsbuche an seine Rückkehr. Philipp widmet sich Wiederaufbau, der Landesverwaltung, dem Ausbau der Kirchenverfassung und natürlich der Universität Marburg.

1555

 

Der Augsburger Religionsfrieden bringt zumindest politisch Klarheit in den Streit der konfessionellen Auffassungen: „cuius regio, eius religio“ – wessen Region, dessen Religion gilt fortan.

27.05.1557 

 

Philipp belehnt Kurt Breidenstein mit dem Hof Rossbach und der Erlaubnis, 1000 in Hessen gekaufte Kleider zollfrei auszuführen. Später wird Breidenstein noch Amtmann in Gießen und Battenberg.

1562

 

Biedenkopf wird wieder aus dem Pfand eingelöst

31.03.1567 

 

Tod Philipps, der zur Teilung und Schwächung des zuvor führenden protestantischen Landes Hessen führt.